Neuer Knigge für Jugendliche
Alexander Freiherr Knigge will Lust auf Echtheit machen
Leipzig (dpa) - Gutes Benehmen hat einen Namen: Knigge. Dem niedersächsischen Freiherrn werden das Einmaleins des guten Tons und ordentliche Tischmanieren zugeschrieben. «Dabei war er alles andere als ein pingeliger Benimm-Onkel», sagt sein Nachfahre Alexander Freiherr Knigge. Pünktlich zur Leipziger Buchmesse (17. bis 20. März)will der 33 Jahre alte Rechtsanwalt mit den Vorurteilen gegenüber seinem berühmten Ahnen Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) aufräumen.
Unter dem Titel «Expedition Knigge oder Das Geheimnis eines alten Buches» wendet sich der Berliner in erster Linie an junge Leser.
Dass er als Synonym für gespreizte Umgangsformen herhalten muss, wird ihm nicht gerecht», sagt Knigge. Gemeinsam mit seiner früheren Schulkameradin, der heutigen Personalberaterin Claudia Cornelsen, will er er die wahren Lehren des profilierten Aufklärers aus dem 18. Jahrhundert vermitteln. «Wir wollen Lust auf den echten Knigge machen. Lust auf ein Buch, das von Selbstverantwortung, Ehrlichkeit, Respekt und Toleranz schreibt», sagt Cornelsen.
Genau dieses beinhaltet der Titel des Ursprungs-Knigges von 1788: «Über den Umgang mit Menschen». Darin geht weniger um das korrekte Besteck oder den richtigen Teller am Tisch als um die kritische Haltung des Freiherrn gegenüber dem Hofe und sein freiheitliches Denken. In der Öffentlichkeit jedoch hat das Werk eine Umdeutung zum
Benimm-Buch erfahren. «Heute sind 172 mehr oder weniger intelligente
Lebensratgeber mit dem Zusatz "Knigge" auf dem Markt, ohne dass sie tatsächlich einen Bezug dazu haben», sagt Cornelsen.
Die «Expedition Knigge» will zum Ursprung zurück. Dafür bedient sie sich eines Außerirdischen und etwa 40 Zitaten aus dem «echten Knigge». Dieser «Philo» redet scheinbar altmodisches Zeug, weil er sein Wissen aus dem Buch bezieht. Im Verlauf entdecken seine neuen Freunde Lucy und Miller jedoch, dass die Sprüche im Kern richtig und noch immer aktuell sind.
Alexander Freiherr Knigge hat den Wert des Buches selbst als Jugendlicher im Alter von 12 oder 13 Jahren entdeckt. «Seitdem schaue ich immer mal wieder rein. Es ist hervorragend, wenn es um Anregungen für Reden geht», sagt der Jurist. Mit seinem Engagement für seinen berühmten Vorfahren ist er übrigens nicht allein: Ein Onkel und eine Tante sowie ein Vetter befassen sich ebenfalls mit dessen Werk.
(Campus Verlag, Frankfurt/Main, 208 S., Euro 19,90, ISBN 3-593-37648-2; Internet: www.campus.de)
